Diese Geschichte ist nach Impulsen von David Wared erzählt und illustriert von Annette Schumann.

Adler und Zaunkönig

Die Begegnung

 

Glaubt ihr, dass sich ein Adler und ein Zaunkönig begegnen können?

Sie können sich tatsächlich begegnen.

Sie können sich sogar in Deutschland begegnen.

 

Während der Zaunkönig ein Vogel von Welt ist und in Asien, Nordamerika, Europa und Nordafrika zu finden ist, leben Adler meist in den Hochgebirgen dieser Welt. Der kleinste Adler, der Schreiadler, hat seine Heimat auch im Osten Deutschlands. Nun, er ist nicht ganz so groß wie seine Verwandten die Steinadler, Seeadler und Fischadler, aber er ist durchaus ein vollwertiger Adler. Er ist Wappentier, heiliger Vogel und König der Lüfte.

 

Auch der Zaunkönig ist ein König. Obgleich er zu den kleinsten Vögeln der Welt gehört, erreicht sein Gesang bis zu 9 Dezibel Lautstärke. Schwingt er sich also aus seinem Versteck im Unterholz auf Hecke oder Zaun wirkt er im Gesang durchaus majestätisch. So könnte man doch meinen, dass auch im Zaunkönig der König der Lüfte steckt.

 

In diesem kleinen Zaunkönig, von dem ich euch berichte, steckt er wahrlich der König der Lüfte. Kaum hatte er fliegen gelernt, schwang er sich auf die höchste Stelle des Gartenzauns und rief ganz laut:“ Tirelli, trilli, trilli hört her was ich verkünde. Ich bin ein König, ein König der Lüfte.“

„Was du nicht sagst“, entgegnete ein älterer Zaunkönig vom Nachbarzaun. „Jedoch verwechselst du etwas ganz Wesentliches, mein kleiner Freund. Du bist der König des Zauns, der König der Lüfte hingegen ist der Adler.“

 

„König der Zäune sind wir alle schließlich heißen wir Zaunkönig mit Nachnamen. In mir jedoch steckt weitaus mehr. Ich bin der König der Lüfte“, erklärte der junge Zaunkönig mit stolz geschwellter Brust.

 

In diesem Moment erschien Frau Zaunkönigin, seine Mutter. „Nicht so laut mein Kleiner. Unser Nachbar hat durchaus recht. Der König der Lüfte ist der Adler. Wenn er dich hört, wird er ärgerlich.“

 

Der kleine Zaunkönig legte sein Köpfchen zur Seite und schaute seine Mutter an. „Wer ist dieser Adler, der allein für sich beansprucht, König der Lüfte zu sein.“ „Nun gesehen habe ich in meinem Leben noch keinen Adler, denn sie wohnen tatsächlich hoch oben im Gebirge und sie fliegen weit oben über den Bäumen.“

 

„Über den Bäumen kann ich auch fliegen“, entgegnete der junge Zaunkönig. „Viel höher fliegen die Adler, so dass wir sie gar nicht sehen können so hoch.“ „Ja, wenn wir sie gar nicht sehen, dann sehen sie uns doch auch nicht. Wie sollen sie dann ärgerlich werden, über das, was ich sage“, fragte der kleine Zaunkönig hartnäckig.

 

Die Mutter seufzte. Dieses ihrer vielen Jungen, war ihr doch über den Verstand gewachsen mit seiner Neugier. Sie rief den Vater des kleinen Zaunkönigs herbei, der eifrig von einem Zaunende zum anderen flog und das Revier seiner Familie bewachte.

„Meine Lieber, ich gebe dir unseren Sprössling unter die Fittiche. Er hat so viele Fragen und ich habe mit der Aufzucht seiner Geschwister in der Tat genug zu tun.“

 

„Rausgemacht hast du dich mein Sohn“, stellte Vater Zaunkönig fest. „Dann wollen wir doch mal schauen, wie hoch du bereits fliegen kannst.“

 

Das gefiel dem kleinen Zaunkönig gut und er spreizte seine kleinen Flugmuskeln. Sein Vater und er drehten ein paar Runden über der heimischen Gartenanlage.

 

„Was ist der Unterschied zwischen mir und einem Adler“, fragte der kleine Zaunkönig den Vater? Beim Wort Adler geriet Vater Zaunkönig ins flattern und verlor an Höhe.

 

„Der Adler“, sagte er ehrfurchtsvoll: „ist der König der Lüfte.“ „Und wir sind es nicht.“

 

„Nein, es ist der Adler, mein Sohn. Adler sind große stolze Vögel. Ihre Flügelspannweite beträgt über 2 m und sie sind mehrere Kilo schwer. Mit ihren riesigen Schwingen gleiten sie durch die Lüfte. Sie sind so majestätisch, dass der Luftstrom selbst sie trägt. Sie leben an Königshöfen und ihr Abbild ziert sogar das Wappen im Bundestag. Sie haben vor nichts und niemandem Angst und sind ganz und gar frei, weil sie so hochfliegen können.“

 

„Kann ich auch ein Adler werden, wenn ich noch wachse?“ „Nein, mein Sohn, du bist und bleibst ein Zaunkönig.“

 

Der kleine Zaunkönig schien unzufrieden mit dieser Antwort. Über seinen Äuglein sträubten sich die Federn. Als sein Vater dies bemerkte, setzte er sich auf einer Bromneerhecke nieder und bedeutete seinem Sohn ,sich neben ihn zu setzen.

 

„Hier ist das Gestrüpp besonders dicht Junge, keiner sieht uns, keiner hört uns. Ich verrate dir jetzt ein Geheimnis. Ein Geheimnis des Lebens. Vor einiger Zeit habe ich eine Gruppe Menschen belauscht, die im Wald in einem Kreis saßen. Sie erzählten, dass alle Lebewesen mehr als einmal auf die Welt kommen. Sie sagten weiter, dass sich die Lebewesen in den Leben weiter entwickeln würden. Sie nannten dies Veredelung. Und sie sagten auch, dass die höchste Veredelung eines Vogels der Adler wäre.“

 

Der kleine Zaunkönig lauschte den Worten des Vaters. Yes, dachte er, dann habe ich doch gar nicht so Unrecht. Irgendwann werde ich ein Adler sein.

 

An diesem Abend kuschelte sich der kleine Zaunkönig zufrieden in sein Kugelnest und träumte davon ein Adler zu werden.

Nicht weit von der Gartenanlage des kleinen Zaunkönigs entfernt, lebte eine Schreiadlerfamilie. Liebevoll zogen Mutter und Vater Schreiadler ihr Küken auf. Bald war es so groß und stark, dass es sich weit nach oben in die Lüfte schwingen konnte. Gern ließ es sich im Gleitflug von der Thermik der Lüfte tragen. Seinen hervorragenden Augen entging dabei nichts, was sich am Erdboden regte.

 

Der kleine Adler fragte eines Tages seinen Vater: „was sind das für putzige kleine Vögel, die von Hecke zu Hecke fliegen und einen Heidenlärm verursachen. Wie haben sie so eine laute Stimme in ihren kleinen Körpern?“

 

„Das sind die Zaunkönige, mein Sohn. Es sind ganz harmlose kleine Gesellen. Um sie brauchen wir uns nicht kümmern.“

 

Nach und nach war der junge Adler immer öfter allein unterwegs in seinem Revier. Eines Morgens, kurz bevor die Sonne aufging, überquerte er den nahen Wald und sah eine Gruppe Menschen im Kreis sitzen. Er flog näher heran und ließ sich auf dem Wipfel einer Tanne nieder. Während er alles ausspähte, was in der Umgebung zu sehen war, entdeckte er auf einer Brombeerhecke den kleinen Zaunkönig, der ebenfalls den Menschen zuhörte. Der junge Adler beugte sich etwas nach unten, um den kleinen Vogel in der Morgendämmerung besser betrachten zu können. Dabei verlor er das Gleichgewicht und stürzte auf die Brombeerhecke. Das kann bei jungen unerfahrenen Adlern schon einmal passieren. Er machte eine Bruchlandung direkt neben dem kleinen Zaunkönig. Dieser erschrak und flatterte zunächst davon. Aus einiger Entfernung betrachtete er den großen Vogel, der sein Gefieder nach dem Sturzflug richtete. Da wir es in dieser Geschichte mit einem überaus mutigen kleinen Zaunkönig zu tun haben, sprach er den großen Vogel an.

 

„He, wer bist du denn? Dich habe ich hier noch nie gesehen.“

„Ich bin ein Adler.“

Der kleine Zaunkönig lachte.

„Ah, ein Adler, ein König der Lüfte, darum fällst du vom Himmel.“

Der junge Adler runzelte ärgerlich die Stirnfedern.

„Auch Adler müssen erst fliegen lernen.“

„So, du sagst also du bist ein Adler, dann breite mal deine Flügel aus.“

Der junge Adler tat was der Zaunkönig wünschte.

„Das sind niemals 2 Meter“, entschied dieser.

„Wieso 2 Meter“, fragte der junge Adler?

„Mein Vater hat mich gelehrt, dass Adler eine Flügelspannweite von zwei Metern haben.“

„Aha“, sagte der junge Adler:“ darauf willst du hinaus. Ich bin kein Steinadler, ich bin ein Schreiadler. Unsere Art ist etwas kleiner, jedoch sind wir durchaus vollkommene Adler. einem Steinadler wirst du nie begegnen. Er lebt hoch in den Bergen. So hoch kannst du gar nicht fliegen.“

 

„Und du, kannst du so hochfliegen“, fragte der kleine Zaunkönig?

„Ja, kann ich“, entgegnete der Schreiadler.

 

Der kleine Zaunkönig wollte in der letzten Zeit immer öfter einem echten Adler begegnen. Jeden Abend vor dem Einschlafen hatte er ganz intensiv daran gedacht und sich das Wappentier auf der Euromünze vorgestellt. Glücklich fragte er den jungen Adler: „wollen wir Freunde werden“?

Der Adler blickte auf den Zaunkönig herab. Der Blick aus den erwartungsvollen braunen Äuglein berührte ihn in  seinem Adlerherzen.

Er willigte ein.

 

 

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